13 Teilnehmer/innen, 3 Boote vom Ruderclub Kreuzlingen, 37 Ruder-Kilometer, schmackhaftes Essen am See und Schlafen in Kajütenbetten – dies die Eckdaten des zweitägigen Reussstreckers am Bodensee im August 2026.
Text: Roman Oberholzer, Fotos: Monika Achermann, Susi Lustenberger, Roman Oberholzer, Paul Ottiger
Mitte August trafen sich die Reussler/innen um 6.20 Uhr am Bahnhof Luzern mit Ziel Kreuzlingen am Bodensee, wo sie gegen 9.00 Uhr von Peter Keller freundschaftlich im dortigen Ruderclub empfangen wurden. Doch was erblickt man im Ruderhaus des RC Kreuzlingen? Ruder vom RC Reuss! Alles korrekt, denn vor Jahren gab der RC Reuss das Boot "Rico Fioroni" (ehem. Präsident des RC Reuss und später des Internationalen Ruderverbandes FISA) und an den RC Kreuzlingen weiter. Die Welt ist doch klein!
Aufgrund des tiefen Wasserstandes des Bodensees musste die samstägliche Rudertour mit ortskundiger Hilfe festgelegt werden: Da sie mit Start um ca. 10.30 Uhr ein Mittaghalt beinhalten sollte, entschied man, entlang des südlichen Schweizer Ufers nach Güttingen zu rudern, wo man gediegen auf der Terrasse des Erholungs-Hotels "Sokrates" mit Seeblick speisen konnte. Das Mittagessen musste aber verdient werden: Das Nass-Auswassern entpuppte sich als "lange" Wanderung mit Boot durch sumpfigen, ein wenig übelriechenden Seegrund, der nun trocken lag. Doch der köstliche Mittagsschmaus, u.a. mit kühlem Bier, liess die Anstrengung schnell vergessen.
Gegen 14.30 Uhr brach man zum Rückweg auf, der fürs Team im Boot "Cannaregio" zu einem kleinen Abenteuer wurde: Aufgrund der unglücklichen Gewichtsverteilung füllte sich das Boot ständig mit Wasser, da bei hohen Wellen der Bug immer wieder eintauchte und so das ausgeschöpfte Wasser nach kurzer Zeit wieder ins Boot fliessen liess. Eine Umbesetzung im Boot brachte die gewünschte Abhilfe und ein ruhigeres Heimrudern.
Da unsere Unterkunft auf dem Camping Fischerhaus, der RC Kreuzlingen und das örtliche Freibad nur wenige Gehminuten auseinanderlagen, gönnten sich die Ruder/innen nach der herausfordernden sportlichen Aktivität auf dem See eine kühle Dusche oder einen Schwumm in der Badi. Das folgende Nachtessen wurde im Hafenrestaurant "Alti Badi" eingenommen, verbunden mit einem gut 20-minütigen Spaziergang nach Kreuzlingen hinein und zurück. Danach fielen alle in den wohlverdienten Schlaf, der aber wegen der Hitze in den Zimmern (wie ein Bachofen) und den engen Kajüttenbetten nicht immer tief ausfiel.
Mit Sonne und einem reichhaltigen Frühstück um 8 Uhr startete der Sonntag. Eine Stunde später standen alle mit Gepäck und Seesack vor der Bootshalle des RC Kreuzlingen. Das Team des "Cannaregio" konnte sich gleich am Steg das Rennboot "Sprinter" ergattern, in der Hoffnung auf entspannteres Rudern. Doch weit gefehlt: Die sonntägliche Rudertour führte quer durch den welligen Konstanzer Trichter, was wackliges Rudern im Rennboot bedeutete – Zweifel über den Bootswechsel kamen auf. Man beschloss jedoch, vorerst nahe bis ans deutsche Ufer weiter zu rudern und dort die Lage neu zu beurteilen. Es sollte sich auszahlen, denn aufgrund des nun ruhigen Wassers war das Rudern im Rennboot wieder ein Genuss.
Nach der Umrundung des Hörnle am Ende des Konstanzer Trichters gings am Westufer des Überlinger See (Nordarm des Bodensees) Richtung Insel Mainau. Doch in Staad wartete eine weitere Herausforderung: die Fähre Konstanz-Meersburg, die alle 15 Minuten fährt. Mehr noch: Innerhalb von 5 Minuten legt im Hafen Staad eine erste Fähre an bzw. eine zweite Fähre ab, so dass kaum Zeit bleibt, dort dies zu queren. Mit Bärtis Ruhe wurde dies (auf der Hin- und Rückfahrt) jedoch perfekt bewältigt: Wie bei einer Regatta positionierten sich die drei Boote nebeneinander nahe an der Fahrrinne der Fähre, um diese dann husch husch zu queren, solange die angekommene Fähre noch im Hafen und die abfahrende Fähre schon weg auf See ist. Der Lohn dafür erwartete die wagemutigen Ruder/innen nach ca. einer halben Stunde: herrliche Sicht auf Schloss Mainau, dem Ziel der heutigen Rudertour.
Doch das war noch nicht das letzte Highlight: Es gibt wohl nicht viele Reussler/innen, die beim Rudern schon mal von einem Zeppelin überflogen wurde. Auf dem Bodensee-Reussstrecker kam dies öfters vor, ja gar nahe der Insel Mainau kreisten gleich 2 Zeppeline über unseren Ruderbooten (siehe zweites Foto unten!).
Der Heimweg führte auf der gleichen Route zurück, wobei zwei Boote den Konstanzer Trichter wegen vermuteter hoher Wellen nicht überquerten, sondern ausruderten. Gegen 13 Uhr fanden sich alle im Biergarten nahe der Unterkunft zum Mittagessen ein. Danach bestiegen die Reussler/innen kurz nach 15 Uhr den Zug Richtung Luzern, wo sie gegen 17.30 Uhr ankamen.
Bärti Keiser als OK-Mitglied organisierte diesen zweitägigen Reussstrecker perfekt – vielen Dank. Er war ein gewollter Ersatz für den heurigen Besuch der Vogalonga in Venedig. Die Idee dahinter – kürzere Reisezeit, aber trotzdem viel Ruderspass – ging voll auf.



















